Die Schubertiade
Ein Festival der besonderen Art
Gründung, Geschichte und Entwicklung
Ein Festival für Franz Schubert. Ihm den gebührenden Platz neben Mozart und Beethoven einzuräumen, war die Idee der Schubertiade, die 1976 erstmals in Hohenems stattfand. Ins Leben gerufen von Herrmann Prey wurde das kleine, an Geschichte reiche Städtchen schnell zu einem der renommiertesten Festspielorte. Nach Preys Plänen sollte im dortigen Renaissance-Palast eine Art „Bayreuth für Schubert“ entstehen. Ein Ort, an dem man die einzigartige Gelegenheit haben sollte, das Gesamtwerk des Komponisten kennenzulernen. Allerdings nach einem ziemlich ungewöhnlichen Konzept: Alle Werke sollten in der Reihenfolge ihres Entstehens aufgeführt werden. Doch Preys Idee war in diesem kleinen Rahmen weder künstlerisch noch finanziell durchführbar, daher zog er sich aus Hohenems zurück. Gerd Nachbauer, der seit Beginn als Geschäftsführer mit dabei war, übernahm Anfang der 1980er Jahre auch die Künstlerische Leitung (die er bis heute innehat) und erweiterte in der Folge auch das Programm. Denn bis 1983 standen ausschließlich Kompositionen von Franz Schubert auf dem Programm, seither werden auch Werke anderer Komponisten – vornehmlich Schuberts Vorläufer, Zeitgenossen und Nachfolger – aufgeführt. Nach wie vor aber steht das umfangreiche Werk Franz Schuberts im Mittelpunkt des Festivals, wobei Liederabende, Kammerkonzerte und Klavierabende den programmatischen Schwerpunkt bilden.
Heute ist die Schubertiade mit jährlich rund 70 Veranstaltungen und 35.000 Besuchern das bedeutendste und renommierteste Schubert-Festival weltweit. Das dichte Programm der Schubertiade und die einzigartige Atmosphäre werden sowohl von erklärten Schubert-Liebhabern aus der ganzen Welt als auch von zahlreichen Musikfreunden aus der Region geschätzt.
Künstler
Die Liste derer aufzuzählen, die seit den Anfängen bei der Schubertiade aufgetreten sind, käme einem „Who’s Who“ der Lied- und Kammermusikszene gleich. Neben Hermann Prey zählt auch Peter Schreier zu einem Mann der ersten Stunde, und mit Christa Ludwig und Brigitte Fassbaender waren auch die großen Damen des Liedgesangs von Anfang an mit dabei. Und ohne Dietrich Fischer-Dieskau wäre die Schubertiade geradezu undenkbar. Neben den Pianisten Sviatoslav Richter, Alfred Brendel und András Schiff prägten auch renommierte Kammermusikensembles wie das Alban Berg Quartett oder das Hagen Quartett das Bild der Schubertiade. Zur Tradition des Festivals zählt auch, sich mit jungen Interpreten um die Nachwuchspflege zu kümmern. Es ist bis heute ein großes Anliegen der Schubertiade, jungen Musikern die Möglichkeit zu geben, vor einem fachkundigen Publikum aufzutreten.
Schauplätze - von der Gründung bis heute
In den 50 Jahren seines Bestehens hat das Festival an zahlreichen Schauplätzen gewirkt und kann auf eine im wahrsten Wortsinn bewegte Geschichte zurückblicken. Auf die ersten Konzerte im Rittersaal des Renaissancepalastes Hohenems folgten Konzerte auch in Feldkirch sowie im Rahmen der „Landpartien“ an besonders reizvollen Orten wie dem im romantischen Argental gelegenen Schloss Achberg, der Stadt Lindau am Bodensee, der Propstei St. Gerold im Großen Walsertal sowie in Schwarzenberg im Bregenzerwald. Ab 2001 fanden die Konzerte nur in Schwarzenberg und seit 2005 zusätzlich auch wieder in Hohenems statt.
Angelika-Kauffmann-Saal, Schwarzenberg
Der in schlichter Holzbauweise errichtete und 2001 erweiterte Angelika-Kauffmann-Saal mit 600 Sitzplätzen besticht durch seine einzigartige Lage inmitten einer beschaulichen Wiesen- und Berglandschaft. Er bietet perfekte akustische Bedingungen, die Künstler und Publikum gleichermaßen ins Schwärmen bringen und von der internationalen Presse mit zahlreichen Superlativen bedacht wurden. Benannt ist der Saal nach der bedeutenden Malerin Angelika Kauffmann (1741-1807), die dem Heimatort ihres Vaters eng verbunden war.
Markus-Sittikus-Saal, Hohenems
Die Konzerte der Schubertiade Hohenems finden im Markus-Sittikus-Saal statt, der - eingebettet in eine schöne Gartenanlage mit Brunnen und Heckentheater - 300 Personen Platz bietet. Vom Vorplatz aus bietet sich dem Besucher ein beeindruckender Blick auf den steil emporragenden Schlossberg, wo sich die Überreste der Burg Altems befinden. Der 1913 errichtete, unter Denkmalschutz stehende Saal wurde von der Schubertiade grundlegend renoviert und zählt nun weltweit zu den besten Sälen für Kammermusik und Lieder. Er trägt den Namen Markus-Sittikus-Saal zur Erinnerung an den Grafen Markus Sittikus von Hohenems (1574-1619), der als Salzburger Fürsterzbischof nicht nur das Stadtbild mit dem Bau des Domes und von Schloss Hellbrunn wesentlich geprägt, sondern mit den ersten Opernaufführungen außerhalb Italiens auch die große Operntradition Salzburgs begründet hat.
Schubertiade-Quartier, Hohenems
Musik- und Kulturgeschichte auf mehr als 1.000m2 Ausstellungsfläche
Als Gründungsort der Schubertiade ist Hohenems eng mit Franz Schubert verbunden, und das obwohl dieser selber nie einen Fuß in das kleine Städtchen im Vorarlberger Rheintal gesetzt hat. Die Schubertiade widmet sich hier nicht nur seinem musikalischen Werk, an keinem anderen Ort ist auch so viel über Franz Schubert zu sehen: Das Franz-Schubert-Museum und das Schubertiade-Museum bieten in mehr als 20 historischen Räumen einen Überblick über das Leben und die Rezeptionsgeschichte des großen Komponisten. Elisabeth Schwarzkopf (1915-2006) war eine der größten Sängerinnen des 20. Jahrhunderts, deren an Höhepunkten reiche Laufbahn mit zahlreichen, bis heute Maßstäbe setzenden Schallplattenaufnahmen dokumentiert ist. Die Schubertiade GmbH besitzt den musikhistorisch wichtigen Teil ihres Nachlasses und den ihres Mannes Walter Legge; Bestände daraus sind im Elisabeth-Schwarzkopf-Museum und im Legge-Museum zu sehen. Ein Raum des Legge-Museums ist dem Thema „Stefan Zweig und das Musikleben seiner Zeit“ gewidmet, da der Großvater mütterlicherseits des weltweit geschätzten Schriftstellers Mitbesitzer und Bewohner dieses Hauses war. Mit der Wiederentdeckung der Handschriften C und A im Palast Hohenems (1755 und 1779) begann die Erfolgsgeschichte des Nibelungenliedes, das zum deutschen Nationalepos und von Richard Wagner mit seinem vierteiligen Musikdrama „Der Ring des Nibelungen“ weltweit bekannt gemacht wurde. Dieses Hauptwerk von Wagner und andere bedeutende Umsetzungen des Nibelungen-Themas für Bühne und Film stehen im Mittelpunkt des kleinen Nibelungen-Museums. Und im Schuhmacher-Museum werden die Bestandteile der Schuhmacher-Werkstätte von Karl Nachbauer (dem Großvater von Schubertiade-Geschäftsführer Gerd Nachbauer) gezeigt.
»One of the most successful and distinguished classical music festival in the world now for almost 50 years, this Austrian Alpine festival presents Lieder recitals and chamber music concerts revolving around the great Viennese composer and his contemporaries.«
Gramophone, Großbritannien